Tierische Unterstützung

Drei Moorschnucken werden zum Boot getragen
Drei Moorschnucken machen Urlaub auf der Insel (zum Vergrößern bitte ins Bild klicken)

Von Ende August bis Mitte Oktober hatte der NABU Helfer, die auf der Vogelinsel junge Weiden und Ulmen vertilgten: drei Moorschnucken und zwei Burenziegen, ausgeliehen vom Merziger Tierpark. Natürlich mussten die Tiere nicht zur Insel schwimmen, sondern wurden in der "Seefähre" des NABU Saarlouis herübergerudert. Die fünf grasenden Fellknäuel sorgten für verwunderte Blicke der Spaziergänger und für einige Anrufe bei der Stadtverwaltung.

Am 17. Oktober holten die NABU-Leute sie wieder ab und gaben sie dem Tierpark zurück, damit die Tiere im Winter einen trockenen Unterstand haben.

Wenn sich im Frühjahr zeigt, dass die Aktion Erfolg hatte, spricht nichts gegen einen erneuten Inselurlaub...

Eine Anekdote am Rande: Die Ziegen lernten in den sieben Wochen den Dialekt der Schafe. Sie blökten bei ihrer Rückkehr ins heimische Gehege, statt nach Geissenart zu meckern!

 


Das Spiegelei im See

Wie sich die Insel im Dillinger Ökosee entwickelt

Spaziergänger, die die "Vogelinsel" hinter der Wegbiegung zum ersten Mal entdecken, sind sehr beeindruckt: statt des früher aus dem See ragenden Hügels sehen sie eine große, flache, mit Schilf und Seggen begrünte Insel, ein echtes spiegeleiplattes "Eiland" mit dem "Dotter" Uferschwalbenberg in der Mitte.

Dieses Biotop aus Flachwasser- und Erdflächen braucht allerdings Starthilfe. In den wenigen Wochenenden nach der Brutzeit und vor dem Winter bleiben den Aktiven der NABU-Ortsgruppe Saarlouis nur wenig Zeit, um die zwischen Seggen, Binsen und Schilf aufschießenden Erlen und Weiden auszurupfen. Spaziergänger und Jogger beäugen die samstäglichen Arbeitseinsätze argwöhnisch vom Ufer aus. Das ist verständlich, denn eigentlich soll die Natur ja alles selbst richten, und niemand soll sie dabei stören. Aber menschliches Eingreifen ist, so lange die Baumsamen noch in der Erde und die Wassergräser noch nicht dicht genug sind, um deren Keimung zu unterdrücken, doch vonnöten. Und der NABU ist froh, dass viele Helfer dazu kommen, z. B. Jugendliche einer Dillinger Schule und Anwohner, die in der Zeitung von den Aktionen gelesen haben.

 

Warum sind Bäume unerwünscht?

Die Insel soll Bodenbrütern, insbesondere Limikolen (Watvögeln), als Brutplatz dienen. Unter diesen gibt es viele Vögel, die kein Nest bauen, sondern mit ihrem Körper eine Mulde in den Boden drücken, um dann in den nackten Kies oder Sand ihre Eier zu legen. Das tun zum Beispiel die auf der Insel brütenden Flussregenpfeifer. Und die können einen mit Bäumen dicht bewachsenen, schattigen Boden dafür nicht brauchen. Auch als Rastplatz ist eine „kahle“ Insel von Vorteil. Denn sie bietet Feinden kaum Verstecke und wird deshalb von Vögeln, die sich auf ihren alljährlichen Flügen zwischen Nord- und Südeuropa ausruhen müssen, gerne angenommen.

 

Welche Vogelarten waren schon da?

Die Insel ist bei Ornithologen bereits sehr beliebt. Neben Rolf Klein haben Lothar Hayo, Ulrich Leyhe und Günter Radke dort ausgiebig Beobachtungen angestellt und viele Arten dokumentiert. Rolf Klein hat folgende Limikolenarten gesichtet:

Knutt, Bekassine, Temminckstrandläufer, Grünschenkel, Bruchwasserläufer, Alpenstrandläufer, Sichelstrandläufer, Zwergstrandläufer, Sandregenpfeifer, Kampfläufer, Großer Brachvogel, Rotschenkel und über 40 Kiebitze.

Im September 2008, berichtet Ulrich Leyhe, suchten auf der Insel ein Sanderling, ein Alpenstrandläufer und eine exotische Streifengans nach Nahrung.

Bis auf die Kiebitze sind dies allesamt Arten, die im Saarland nicht brüten, die also hier „nur“ eine Rast eingelegt haben. Einige von ihnen sind in Deutschland als Brutvogel sehr selten (Alpenstrandläufer, Waldwasserläufer, Flussuferläufer), und der Bruchwasserläufer ist in Deutschland als Brutvogel sogar ausgestorben. Immerhin: Drei Paare Flussregenpfeifer haben sich im vergangenen Frühjahr auf der Insel für längere Zeit niedergelassen und gebrütet. Von ihnen gibt es im Saarland noch etwa 30 bis 50 Paare. Weitere Vogelarten, die die Insel als Rast- oder Futterplatz genutzt haben, sind Nachtreiher, Seidenreiher, Gänsesäger, Eisvogel, Zwerg- und Raubseeschwalbe und Schwarzkopfmöwe.
Neben diesen Raritäten findet man Haubentaucher, Graureiher, Teichhühner, Blässrallen, verschiedene Enten- und Gänsearten und Höckerschwäne auf der und um die Insel. Und auch viele Singvögel (z. B. Wiesenpieper, Sumpfrohrsänger, Schwanzmeise, Schafsstelze, Rohr- und Goldammer) haben schon mal vorbei geschaut.

Inzwischen ist es möglich, diese Vögel ungestört und – für die Vögel – störungsfrei zu beobachten, denn der NABU hat einen Beobachtunghügel am Ostufer errichtet (siehe Foto).

 

Weitere Verbesserungen

Auch das komplette Nordufer des Sees ist kaum wiedererkennbar, die beiden Landzungen mussten einer großen versumpften Flachwasserzone weichen. Das Seeufer reicht im Nordwesten nun fast bis an den Rundweg, und gut erkennbar ist schon die Strukturveränderung, die der Entwicklung einer vergrößerten Schilfzone dienen soll.

 

Im September/Oktober 2008 war das Süd-/Westufer an der Reihe...

Ein 22-Tonnen-Raupenbagger hat etwa 4.000 qm³ Massen des unwirtlichen Steilufers abgetragen und in 6 in den See ragende flache Sandbänke oder Buhnen verwandelt. Dabei grub der geschickte Baggerführer zum Land einen etwa 3 Meter breiten und 1,20 m tiefen Graben, um das Begehen des neu gewonnenen Flachwasserbereichs, der jetzt eine Größe von etwa 80 x 30 Metern aufweist, zu verhindern. Gleich nach der Umgestaltung hat bereits der erste Zwergstrandläufer am neuen Ufer gerastet.

Aber kommen Sie doch einfach mal nach Dillingen, spazieren Sie um den See und schauen sie selbst, wie die Natur dort Land, pardon, Wasser gewinnt...

 

 

Hier entsteht ein Vogel- und Froschparadies:

Zum Vergrößern in die Fotos klicken!
 

Unsere Film-Stars

Fotos von Annika Herz, Angelika Otto, Rolf Klein, Roland Wiesdorf, Elisabeth Frank-Schneider