HauptmenueSaarToto fördert NABU-Saarland-ProjekteIn 2007 waren dies: „Stunde der Gartenvögel“, Braunkehlchen, Gelbbauchunke, Amphibien, „Saarländisches Froschfest“, Artenschutz und Umweltservice. AnmeldungBesuchen Sie unseren Landesverband:www.NABU-Saar.de |
Schläfer an der MoselNein, ich meine keine am Ufer eingenickten Touristen. Und auch keine verkappten Bösewichte. Es geht um Siebenschläfer, Gartenschläfer und Haselmäuse – eben die drei Arten der Schlafmäuse oder Bilche, die in Luxemburg vorkommen. Schlafmäuse sind Nager, die einen ausgiebigen Winterschlaf halten – daher der Name. Die großen Augen und langen Tasthaare verraten das nachtaktive Leben der Tiere. Ihr Gehör sowie Geruchs- und Tastsinn sind ausgezeichnet. Außerdem sind sie hervorragende Kletterer. Während sich Haselmaus und Siebenschläfer meist von pflanzlicher Kost (z. B. Eicheln, Bucheckern, Haselnüssen, Beeren) ernähren, spielt beim Gartenschläfer tierische Kost (z. B. Insekten, Spinnen, Schnecken) oft eine übergeordnete Rolle. Diese hübschen Tiere waren Anlass und Mittelpunkt des NABU-Ausflugs ins Luxemburger Moseltal bei Grevenmacher. Die Idee, mal nach Luxemburg zu fahren, kam von Angelika Otto vom NABU Saarlouis, und dass der junge Biogeograph Jörg Schlichter aus Ensdorf gerade seine Doktorarbeit über Bilche schreibt und dazu Feldforschungen in den alten Weinbergen bei Grevenmacher mit ihren Kalksteinstufen und –wänden durchführt, machte den Plan noch reizvoller. Wir Saarlouiser NABU-Leute kannten Jörg Schlichter schon von einem äußerst launigen Vortrag in unserer Mitgliederversammlung. Die Schläfer-Wanderung durch das Naturschutzgebiet Kelsbaach führte uns immer bergauf durch altes Kulturland mit Quellen und Wiesen, in denen vor einem verheerenden Erdrutsch eine Mühle und ein Gutshof standen. Bis auf wenige Ruinen und viele abgerutschte Terrassenmauern fanden wir nichts mehr von den alten Gebäuden. Wir stiegen über schmale, steile Wege durch eine Landschaft, die die Natur sich gerade zurückerobert. In verlassenen Quellteichen sahen wir Salamanderlarven, im Wald am Hang wuchs ein wilder Buchsbaum. Jörg Schlichter machte zwischendurch immer wieder Halt und erzählte von Geologie und Geschichte der Gegend und von seinem Projekt zur Erforschung der Schlafmäuse. Er fängt dazu die Tiere in Fallenröhren an verschiedenen Stellen des Hangs (Wald, Brache, Felskante), wiegt und vermisst sie, markiert sie mit Mikrochips und verfolgt so ihre Entwicklung, ihre Reviertreue und Reviergröße. Auf halber Höhe des Bergs, wo die Weingärten enden und nur noch die steile Abbruchkante hoch aufragt, haben wir dann endlich drei in der Nacht gefangene Gartenschläfer zu Gesicht bekommen. Sie mussten die neugierigen Blicke, begeisterten Kommentare und die Kamera-Blitzlichter der 43 NABU-Freunde ertragen, bevor sie sich am Fuß des Steilhangs in den Ritzen einer Trockenmauer retten durften. So lernten wir Aussehen und Lebensraum der Schläfer kennen. Interessant war auch zu erfahren, dass irgendwo im Steilhang über uns ein Uhupaar nistet. Ein weiterer kurzer Aufstieg führte zu teilweise schon einstürzenden Höhlen im Berg. Dort wurde bis in die 1940er-Jahre Kalk abgebaut und gebrannt. Abraum und zerbrochene Gussformen zeugten noch von der industriellen Nutzung des Berges. Aber auch hier gewinnt die Natur Raum zurück. Im alten Kalkbruch beobachteten einige der Wanderer eine Rötelmaus. Nach dem Mittagessen in Nittel bildete eine Wanderung durchs wilde Müllerthal den krönenden Abschluss des NABU-Ausflugs 2010. Weitere Informationen über Siebenschläfer, Gartenschläfer und andere Bilche finden Sie auf der Webseite www.mnhn.lu/naturmusee/temp/schleifer.asp. Dort können Sie sich eine wunderschön illustrierte Broschüre über Schlafmäuse herunterladen. Der Kormoran – für Sportfischer und Hobbyjäger leider eine überflüssige VogelartEine Betrachtung aus der Sicht des Artenschutzes von Ulrich Leyhe
Seit Jahrtausenden in Deutschland heimischBevor der Kormoran in Deutschland ausgerottet wurde, lebte und brütete er seit rund 12.000 Jahren an vielen Küsten, Flüssen und Seen in Mitteleuropa. Aktuelle Bestandsschätzungen gehen in Deutschland nur noch von einem Brutbestand von etwa 10.000 Paaren aus. Hiervon brüten etwa 80 % an den Küsten der Nord - und Ostsee, da sie im Inland nur noch sehr wenige ungestörte Brutstandorte vorfinden. Europaweit liegt der Brutbestand bei etwa 150.000 Paaren.
Die historischen Gründe für die Kormoran-Verfolgung gelten heute nicht mehrDie zunehmende Bevölkerungsdichte machte den Kormoran für uns Menschen im Laufe der Jahrhunderte zu einem Nahrungskonkurrenten. Mit der Erfindung der Schusswaffe konnte er, nicht zuletzt aufgrund seiner Vorliebe, in Kolonien zu brüten, in Mitteleuropa auch nahezu ausgerottet werden. In schweren Zeiten, geprägt von Kriegen, Seuchen, Hungersnöten und Missernten, konnte es sich die Menschheit in vielen Regionen nicht erlauben, Nahrungskonkurrenten zu dulden, was aber nicht nur für den Kormoran, sondern auch für Fischotter, Bär, Wolf oder Luchs galt. Durch das Reichsnaturschutzgesetz wurde er 1935 erstmals als geschützte Art genannt, und erst in den 1950er Jahren wurde die Brutkolonie Niederhof östlich Stralsund zum Ausgangspunkt der Wiederbesiedlung an der Ostseeküste. Mit dem zunehmenden Verständnis für den Schutz und Erhalt unserer heimischen Tierwelt, vor allem aber dem Jagdverbot stiegen auch seine Bestände in Deutschland wieder an.
Angler und Fischer denken immer noch in überkommenen FeindbildernAber nach diesen Fakten fragen unsere Hobbyangler und Sportfischer nicht. Ihr Augenmerk gilt einzig und allein den Fischbeständen in „ihren“ stehenden oder fließenden Gewässern, und diese Fische gehören nun mal ihnen, weil sie sie oftmals teuer bezahlt und aufwändig eingesetzt haben. Kommt ihnen die Natur in Form der Kormorane in die Quere, verstehen sie keinen Spaß. Da die kanalisierte Saar und erst recht die vielen Angelteiche aber ganz bewusst in einem extrem unnatürlichen Zustand erbaut und gehalten werden, erschloss der Mensch dem Fisch fressenden Kormoran damit eine leichte Möglichkeit, an Nahrung zu gelangen: Indem Angelgewässer mit einer zu hohen Fischdichte überfrachtet werden, keine überhängenden Wurzelteller und kein schwimmendes Totholz als Versteckmöglichkeit für die Fische geduldet werden, keine Schilf - oder Röhrichtbestände zugelassen werden und erst recht keine Schwimmalgen, weil sich darin Angelschnüre verfangen könnten, werden die Fische dem Kormoran sozusagen auf dem Silbertablett präsentiert. Statt aber den bedrohten Äschen in den Flussläufen Gewässerböden zu schaffen, auf denen sie erfolgreich ablaichen können, werden die Fließgewässer zunehmend eingeengt und die Flüsse damit schneller gemacht, um sie hochwassersicher zu machen. Der Schuldige für den Rückgang der Äsche zum Beispiel in der saarländischen Prims ist dann aber immer schnell gefunden, nämlich der Kormoran. Mit dem geschickten Ausnutzen des Artenschutzgedankens innerhalb der Angelverbände, also bei den Hobbyfischern, bei denen man mit Fischen bekanntlich nicht so zimperlich umgeht, ließ sich nun plötzlich auch vortrefflich der Tierschutzgedanke der Öffentlichkeit vermitteln, denn gefährdete Arten gibt es schließlich auch unter den Fischen. Damit darf sich diese organisierte Sportart, innerhalb der immer noch das Massen-Wettfischen nach Gewicht, das mit Pokalen und Trophäen belohnt wird, oder auch das Zurückwerfen verletzter und unbrauchbarer Fische gang und gäbe ist, als ein Naturschutztreibender Verband bezeichnen.
Es geht auch andersNatürliche gut strukturierte Gewässer im Gegensatz zu künstlichen und damit naturfern gehaltenen Gewässern entzweien letztlich die Interessen von Angelsport und Tierschutz. Der Konsens kann aber nur in einem gebenden und einem nehmenden Kompromiss liegen. Dies setzt die Duldung der Tierart Kormoran voraus. Angelweiher können auch naturnah gestaltet werden, so dass Kormorane weniger „Schaden“ anrichten. Hier könnte der NABU beraten – wenn die Angler dies wollten! Trauriges Fazit: |