Wachtelkönige im Saarland

Seit der NABU Saarlouis den Bereich Moosbruch in Saarlouis-Beaumarais und die Aue des angrenzenden Mühlenbaches auf Wallerfanger Gemeindegebiet wieder stärker vernässt und teilweise angestaut hat, ist er auch für ornithologische Raritäten attraktiver geworden. Nachdem ich am 28.09.2004 und im darauf folgenden Jahr am 08.09.2005 mehr durch Zufall dort Wachtelkönigrufe vernommen hatte, ist der NABU bemüht, für diesen Bereich einen Schutzstatus zu erreichen.

Ulrich Leyhe hat die seltenen Vögel zumindest gehört:

Mit lauten Hammerschlägen auf ältere Tondrainagerohre hatte ich offensichtlich einen ganz in der Nähe rastenden Wachtelkönig so sehr erschreckt, dass dieser unvermittelt und plötzlich seine schnarrende Rufreihe verlauten ließ, sich aber natürlich wachtelkönigtypisch im Verborgenen hielt.

Während ich dies aber für eine einzelne Zufallsfeststellung hielt, war ich umso erstaunter, fast auf den Tag genau, aber ein Jahr später nur etwa 25 Meter vom alten Rufplatz entfernt wieder einen Wachtelkönig im Herbst zu hören, was ja schon eine gewisse Zugtradition ausdrückt. Wenn man sich also fragt, wie ziehen unsere Wachtelkönige, wo und wann rasten sie, so geben diese Beobachtungen sicherlich einen interessanten Rückschluss auf ihr Zugverhalten. Es reichen also schon kleine Feuchtgebiete in Ortsnähe mit Tümpeln und lückig mit Schilf, Seggen oder Mädesüß bestanden, um sie zur Rast zu animieren. Diese interessante Feststellung hatte aber insofern auch noch eine Besonderheit, denn nach Till Töpfer und Jan Schimkat (2003),die in ihrer Arbeit über Vorkommen, Gefährdung und Schutz des Wachtelkönigs (Crex crex) in Dresden und Umgebung, unter besonderer Berücksichtigung der in diesem Bereich geplanten Waldschlösschenbrücke, für die Grüne Liga Sachsen tätig waren, gehört der Wachtelkönig nämlich zu den lautesten Vertretern unserer Vogelwelt. In einem Abstand von 30 cm gemessen erreicht er nämlich Lautstärken bis zu 110 Dezibel. Und dafür nennt die Dezibeltabelle folgende Vergleichslautstärke: Schnellzug in geringer Entfernung, Walkman, Rockkonzert. Es war also schon ein Hörerlebnis am Rande der Schmerzgrenze.

Doch was sagen die anderen Experten:

"Männliche Wachtelkönige rufen nämlich nicht nur am Brutplatz, sondern auch auf dem Zug" (Handbuch der Vögel Mitteleuropas Band 5, G. v. Blotzheim, Kurt M. Bauer und E. Bezzel) "und das selbst in völlig ungeeigneten Biotopen" (Norris 1947) "mitunter sogar im Herbst" (Bosch, Vanellus 5, 1952 und Braaksma 1962). "Wegen ihres nächtlichen Zuges und ihrer versteckten Tagesrastplätze in hochgrasigen Wiesen oder dichten Ruderalflächen oder Brennnesseldickichten gibt es aus Mittel- und Westeuropa außer von Draht- und Leuchtturmopfern nur wenige konkrete Zugdaten" (Handbuch der Vögel Mitteleuropas Band 5 G. v. Blotzheim, Kurt M. Bauer und E. Bezzel). Die einzige Möglichkeit, den Wachtelkönigzug zu verfolgen, ist das Aufstellen von Fallen in den möglichen Verstecken und die Besenderung gefangener Wachtelkönige bzw. ihre "Crex crex" Rufe - wie auch sein wissenschaftlicher Name lautet (T. Töpfer und J. Schimkat 2003).

Dr. Norbert Schäffer, telefonisch befragt, wies darauf hin, dass Wachtelkönige im Brutrevier ähnlich reagieren, nämlich dann, wenn plötzlich Autotüren zugeschlagen werden. Möglicherweise beruhen die Herbstfeststellungen auf einem Erregungsruf eines durch menschliche Anwesenheit im Gebiet beunruhigten Vogels. Ein ähnliches Verhalten kennen wir auch von der artverwandten Wasserralle. Es wird ausdrücklich erwähnt, "dass das "Schweinequieken" der Wasserralle oft zu hören ist, wenn plötzlicher Lärm Beunruhigung auslöst" (Handbuch der Vogelbestimmung Beaman, Madge 1998).

Im Brutvogelatlas des Saarlandes (Bos, Buchheit, Austgen, Elle, 2005) wurde der Wachtelkönig als ehemaliger Brutvogel, unregelmäßiger Durchzügler und Gast eingestuft. Von 1963 bis 1989 wurden insgesamt 18 rufende Männchen nachgewiesen. Die Vögel des Saarlandes (Roth, Nicklaus und Weyers 1990): Auch nach 1989 blieben Beobachtungen unregelmäßig. In den Jahren 1996 bis 2000 wurden zwei rufende Wachtelkönige festgestellt.

Nach dem Brutvogelatlas wurden die meisten Vögel verteilt über das gesamte Saarland aber nur in den so genannten Sekundärlebensräumen (Weiden, Mähwiesen oder Getreidefeldern) angetroffen. Der Nachweis durchziehender Wachtelkönige gelingt durch Sichtbeobachtungen nur ausnahmsweise. Aufgrund der heimlichen Lebensweise des Wachtelkönigs beruhen die Durchzugdaten in der Regel auf rufende Vögel. In " Die Vögel des Saarlandes" wird eine Sichtbeobachtung vom 13.07.1980 (E. Pinter) ausdrücklich hervorgehoben. Herbstdurchzugdaten des Wachtelkönigs liegen aus dem Saarland bisher gar nicht vor, was an der mangelnden Rufbereitschaft der Männchen liegen mag. Beide Daten, 28.09.2004 und 08.09.2005 in diesem Feuchtgebiet bei Saarlouis, fallen daher aus dem Rahmen der bisher im Saarland festgestellten Durchzügler, liegen aber innerhalb der herbstlichen Hauptdurchzugszeit des Wachtelkönigs in Mitteleuropa. Nach Ornitho.de wurden in diesem Jahr bisher (26.06.12) etwa 600 Wachtelkönig-Meldungen für Deutschland und Luxemburg abgesetzt.