Der Schlagschwirl - zum zweiten Mal im Kreis Saarlouis entdeckt

Schlagschwirl - Foto: Rudi Reiter
Unscheinbar und selten - der Schlagschwirl (fotografiert von Karl-Rudi Reiter)

 

Ulrich Leyhe erzählt, warum er Wikipedia aktualisieren muss.

Der Schlagschwirl ( Locustella fluviatilis) ist eine seltene Vogelart im Westen Deutschlands. Was wissen wir im Saarland über ihn?

Nach dem Buch des Ornithologischen Beobachterringes Saar e.V. (OBS) "Die Vögel des Saarlandes" von N. Roth, G. Nicklaus und H. Weyers, Homburg 1990, ist das nicht sehr viel. 1877 erwähnte Kiefer ein Vorkommen bei Saarbrücken, was aber schon 1906 von LeRoi revidiert wurde.

Danach war es lange still um ihn, bis Lothar Hayo diese Schwirlart erstmals 1980 im Gehlenbachtal bei Klarenthal für das Saarland feststellen konnte und somit den wichtigen Erstnachweis für unser Bundesland erbrachte. In diesem Bachtal konnte er zwei Tage lang, vom 26.06. bis 28.06.1980, die Anwesenheit eines singendes Männchen nachweisen. Ein Brutnachweis gelang ihm damals jedoch nicht.

Was schreibt Wikipedia zum Schlagschwirl:

"Er ist ein Singvogel aus der Gattung der Schwirle (Locustella) und der Familie der Grasmückenartigen (Sylviidae). Im Osten Mitteleuropas ist er ein verbreiteter und häufiger Brut- und Sommervogel. Im Westen Mitteleuropas ist er ein sporadischer, jedoch gebietsweise regelmäßiger Durchzügler sowie vereinzelt auch Sommergast. In Bayern besiedelt er zunehmend die Flusstäler von Inn, Isar, Donau und Main. Die westlichsten Brutnachweise in Deutschland stammen aus Hessen."

So weit so gut. Und zwischen Hessen und dem Saarland liegt noch Rheinland-Pfalz. Aber nach unserem Wissenstand und dem des neuen Meldesystems Ornitho.de wurden für Rheinland-Pfalz bisher noch keine Meldungen eingestellt. Die Pfalz überflog er also, oder er blieb dort bislang einfach unentdeckt.

Nicht so im Saarland. Am 23.06.1997 auf einem meiner Beobachtungsgänge hörte ich selbst zum ersten Mal einen und entdeckte damit den zweiten Schlagschwirl im Saarland - 17 Jahre nach Lothar Hayos Erstnachweis. Aber wie entdeckt man den nur spatzengroßen Vogel? Das ist nicht so einfach und erklärt vielleicht den bisher fehlenden Nachweis im Nachbarland. Denn man kann seinen monotonen Gesang nur recht schwer einem Vogel zuordnen. Manch einer, auch ein guter Ornithologe, könnte ihn schon gehört haben, aber bei diesem "Gesang" muss es im Kopf erst einmal klick machen. Und in diesem Moment heißt es, stehen bleiben, sich Zeit nehmen, zuhören, analysieren, vergleichen und möglichst ein Fernglas dabei haben. Sein schriller Gesang gleicht nämlich eher dem einer Zikade oder Grille. Suchte man einen ähnlich klingenden Vogel, kämen ihm Girlitz oder Feldschwirl noch am nächsten. 

Natürlich war mir nicht sofort klar, dass ich hier in Beaumarais im Mühlenbachtal nahe Wallerfangen einen Schlagschwirl vor mir hatte, und ich rief Lothar Hayo mit dem spaßigen Hinweis zu Hilfe, in Saarlouis singe ein Rohrschwirl im Stimmbruch. Er hatte den Schlagschwirl ja schon gehört, so dass es für ihn auch kein großes Problem war, ihn schnell zu identifizieren. Kurz darauf flog ein Weibchen, an dem er einen Brutfleck feststellen konnte, in ein von ihm aufgestelltes Netz, und damit war im Prinzip ein westlicherer Brutnachweis als die bisherigen erbracht.

Letztmalig hörte ich ihn noch am 6. August 1997 im gleichen Revier. Wikipedia muss also aktualisiert werden.

Danach machte sich der Schwirl bei uns wieder lange rar. Erst in diesem Jahr gelangen zwei neue Nachweise. Einen erbrachte Barbara Fröhlich-Schmidt am 27/28.05.2013 bei Kirkel, wo er aber ab dem 04.06.13 nicht mehr festgestellt wurde, und der zweite gelang mir kürzlich am 04.07.13 im Bisttal bei Bisten. Durch das Abspielen einer Klangattrappe verleitete Rolf Klein den seltenen Vogel am 05.07.13 zum Gesang, was meine Beobachtung bestätigte. Lothar Hayo und Rudi Reiter, dem ein schönes Foto gelang, bestätigten ebenfalls die Präsenz des Schlagschwirls. Ob es nun noch gelingt, einen Brutnachweis zu erbringen, ist fraglich, denn ein Weibchen haben wir noch nicht gesehen.