Staunässe – ein Problem für den Landwirt, eine Chance für den Artenschutz

Wasserrückhaltebecken im Sommer 2012
Wasserrückhaltebecken im Sommer 2012

Staunässebereiche oder Zonen mit austretenden Sickerwässern in leichter Hanglage sind unter den Landwirten nicht sonderlich beliebt, könnten dagegen im ökologischen Kreislauf recht sinnvoll genutzt werden. Aber nicht immer sind Landwirte bereit, derartige Flächen von der Nutzung auf Dauer auszusparen  und Naturschutzzwecken zur Verfügung zu stellen, zumal sie oftmals mitten in der hochwertigen Nutzfläche liegen. Da ist es oft einfacher, sie weiterhin in den Anbau mit einzubeziehen und partiell einen geringeren Ertrag in Kauf zu nehme

Problemzone wird zu neuem Biotop

Der zunehmende Druck auf die freie Fläche auch im Rahmen ökologischer Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen lenkt den Blick des Naturschutzes auch auf derartige Randstrukturen. Einem Landwirt bei Dillingen im Saarland wurde 2012  im Zuge einer ökologischen Ausgleichsmaßnahme eine ehemalige Ackerfläche abgekauft, die in der Nordostecke über einen Staunässebereich verfügt. Harter sandig-kiesiger Boden unter einer etwa 4o cm dicken Schicht hochwertigen moorartigen, schwarzen Auebodens verhindert hier die Versickerung. Obwohl es sich um eine relativ kleine Versuchsfläche von lediglich etwa 200 m² handelt, nahm sich der NABU dieser schwach abschüssigen Fläche an und gestaltete sie  um. Dazu wurde der Oberboden in fünf Bereichen bis auf den mageren Grund abgetragen. Die so entstandenen fünf Becken, die mit etwa 30 cm hohen  wasserspeichernden Erdrippen umgeben sind, halten die aus der Moorerde als Sickerwässer austretenden Niederschlagsmengen optimal verteilt zurück. Bereits zwei Wochen nach der Maßnahme füllten sich nach den ersten Regenfällen die Becken, und es bot sich ein Anblick unterschiedlich tiefer Kleingewässer am Rande eines Ackers, wo jahrzehntelang Traktoren stecken blieben.

Je nach Regenhäufigkeit und zunehmender Bodenverdichtung können sich die fünf Becken zu wechselfeuchten, aber auch zu dauerhaften Kleingewässern entwickeln und bleiben nun der Sukzession überlassen.

Ulrich Leyhe

Nachlese: Entwicklung bis Mai 2013

Ein Teilbereich der Vernässungszone
Ein Teilbereich der Vernässungszone
Hunderte von Kaulquappen
Hunderte von Kaulquappen
Fünf Becken gefüllt
Fünf Becken gefüllt

Inzwischen ist die Vegetation dabei, die Fläche zu erobern, und es haben darin schon im ersten Jahr Erdkröten erfolgreich gelaicht. Weit über 1000 Kaulquappen schwärmen jetzt in den fünf Becken herum. Auch Grünfrösche haben die Kleingewässer angelockt.

Damit ist die Maßnahme, die den NABU noch keine 200 € gekostet hat, eine richtige Erfolgsgeschichte für den Natur-, insbesondere den Amphibienschutz.

Hier Fotos vom Zustand Mai 2013.

Ulrich Leyhe